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JA, ICH LEBE UND ICH LIEBE DAS LEBEN!

Ich bin 60 Jahre alt und hatte damals doch eigentlich noch so viel vor! Tanzen, Zeichnen, Malen, Wandern, Laufen, Lieben, Lachen, Sinnvolles, hin und wieder auch etwas Unsinniges, Spaßiges zu machen…

1989 kam die für mich vorerst unglaubliche Schock-Diagnose: “Rektumkarzinom”.

Mein Partner, meine vier Kinder, Diana, Sarah, David und Simon, damals 7, 13, 15 und 17 Jahre alt, waren enorm wichtig für mich. Zur damaligen Zeit waren meine Liebsten in mir irgendwie als riesige, kraftvolle Zugmaschinen spürbar. Viele, aber nicht alle meiner Freunde sind nach meiner schweren Diagnose an meiner Seite geblieben und boten mir zusätzliche Unterstützung. Stark spürbar war in mir sofort: Ich will leben, weiter leben, um auch irgendwann wieder, voll und ganz, für meine Herzliebsten da sein zu können.

 

Ich musste damals, nach meiner ersten Operation und meiner Strahlen- und Chemo-therapie, noch einige weitere lebenserhaltene Operationen über mich ergehen lassen. Am tiefsten Punkt meiner Erkrankung hatte ich körperlich kaum mehr Kraft und nur mehr 32 kg. Mein Partner musste mir zu dieser Zeit alle 2 Stunden besonders gut verdauliches Essen eingeben. Selber hatte ich dazu keine Kraft mehr. Ich erinnere mich, mein damals 17-jähriger Sohn Simon trug mich oftmals die Treppen in unserem Haus hinauf.

Dass ich überleben werde, war vielen Menschen nicht so ganz klar wie mir selber!

Meine innere Kraft und meine Intuition gaben mir die Sicherheit, dass ich diese Situation schaffe. Ich glaubte schon damals daran, dass es für ALLES eine Lösung gibt und ich mit der allumfassenden Kraft der Liebe umgeben bin, und wenn ich es nur möchte, immer wieder neue Kraft erhalten kann. Wenn ich es nur wirklich will und zusätzlich, ohne alle Vorbehalte von anderen Menschen, daran wirklich glaube.

 

Sehr langsam, aber doch, habe ich an Gewicht zugenommen und nach einigen Wochen wurde es mir wieder möglich, aus eigener Kraft täglich einmal eine sehr langsame Spazierrunde um unser kleines Haus zu wandern. So nahm ich nach und nach, mit großer Anstrengung und für mich nicht immer leicht aufzubringender Geduld, körperlich an Kraft zu.

 

Bald wurde es für mich immer klarer, dass ich mein Leben in Zukunft mit einem künstlichen Darmausgang gestalten muss. Das war für mich alles andere als leicht zu akzeptieren.

In dieser für mich schwierigen Zeit habe ich beschlossen, auch psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen, und dafür hatte ich rasch eine mir sehr sympathische Psychotherapeutin gefunden. In meinen Therapiestunden hatte ich die Möglichkeit, meine wildesten Gedanken, schrecklichsten Ängste und unterschiedlichsten Gefühle zum Ausdruck zu bringen und eingehend zu bearbeiten. Besonders wichtig war es für mich zu lernen, in mich hineinzuspüren, mich selber mit meinen Bedürfnissen wahrzunehmen, mich wirklich ernst zu nehmen. Bald kam ich darauf, dass ich offensichtlich als Mutter von vier Kindern einen Automatismus in mir eingebaut hatte. Dieser war rasch für andere Menschen da. Oft auch ohne genau zu hinterfragen, ob mir das Tun auch wirklich gut tut. In dieser Zeit habe ich unter anderem gelernt und verinnerlicht, dass ich kostbar und wertvoll bin. Nur wenn es mir gut geht und ich ausreichend Kraft und Energie habe, ist es eine Leichtigkeit, auch für andere da zu sein.

 

Irgendwann habe ich dann beschlossen, mein Leben trotz meines Stomas, so nennt man einen künstlichen Darmausgang, zu genießen! Zu genießen, was immer es zu genießen gibt! Auch trotz meiner beiden zusätzlichen Stuhl-Fistel-Ausgänge und der fortwährend bestehenden Enddarmeiterung, die durch meine sehr schlecht vertragene Bestrahlung vor 23 Jahren und die mehrmaligen Bauchoperationen der letzten Jahren entstanden sind. Infolgedessen lebe ich jetzt mit insgesamt 3 gut versorgbaren Darmausgängen und mit einer ebenso gut versorgbaren Enddarmeiterung.

 

Jetzt erst recht! Jetzt erst recht, werde ich mein Leben genießen!

Nach und nach habe ich mein Leben, trotz meiner Behinderungen, in meine Hand genommen und viele Erkenntnisse dazu gewonnen. Ich nehme mir jetzt viel mehr Zeit, um genauer in mich hineinzuhorchen, um zu spüren, was ich wirklich brauche, und überdenke auch einige Dinge und Vorhaben viel genauer:

 

Was möchte ich wirklich gerne tun? 

Vielleicht doch nicht das gerade Vorgegebene für den heutigen Tag voll und ganz durchzuziehen. Ich überlege viel öfter, ob ich vielleicht schon bald eine Pause brauche oder mein Vorhaben besser für heute ganz verschiebe. Oder doch etwas ganz anderes heute viel angebrachter ist zu unternehmen.

 

Welches Essen tut mir gut?

Damit setze ich mich zunehmend sogar immer sinnlicher auseinander. Kochen ist auch eine große Leidenschaft von mir. Dabei kreiere ich immer wieder neue leckere Gerichte, mit denen ich mich und meine Gäste überrasche. Besonders schön finde ich es, mit einem lieben Partner zu kochen.

 

Welche Menschen tun mir gut? 

Wen möchte ich heute wirklich gerne treffen, um mich auszutauschen? Mit wem möchte ich gerne körperliche Berührungen oder Zärtlichkeiten austauschen? Was genau möchte ich wirklich zulassen? Wozu sage ich lieber “NEIN” und ziehe mich respektvoll zurück? Gute Berührungen stärken mich seelisch, fühlen sich körperlich gut an und beruhigen meinen Geist.

 

Was gibt mir Kraft und Freude?

Ich male gerne große bunte Bilder, am liebsten mit meiner Lieblingsmusik und ganz viel Schwung. Ganz besonderes viel Freude bereitet mir körperliche Bewegung. Wenn ich mich ausreichend bewegen kann, fühlt sich das für mich ganzheitlich lebendig und stärkend an. Tanzen ist eine Leidenschaft von mir, alleine daheim zu wunderschöner Musik oder auch mit lieben Menschen gemeinsam. Ich liebe Biodanza! Da geht mir mein Herz auf, das ist für mich pure gelebte Lebensfreude!

Musik ist für mich in meinem Leben eine wunderbare Sache. Schöne für mich angenehme Musik stärkt meine Lebensfreude und hebt meine Stimmung. Ein Lied, das mich tief im Herzen berührt, ist “Blessed We Are” mit dem Songtext von Peia Luzzi.

 

Zusätzlich spüre ich in mir auch noch eine Berufung, die mir viel Freude bereitet. Ich arbeite in meiner psychotherapeutischen Praxis in Bisamberg, ganz nahe bei Wien. Menschen therapeutisch zu begleiten und zu erleben, wie sie sich zunehmend wieder stabiler, selbstbestimmter und glücklicher im Leben zurecht finden, ist für mich eine sehr bereichernde Tätigkeit.

 

Meine große Kraft-Quelle ist die Natur. Sie bringt mich immer wieder in Einklang mit mir selbst. Ein Waldspaziergang ist für mich nicht nur wunderschön, sondern fühlt sich für mich ganzheitlich sehr heilsam und stärkend an. Ich umarme Bäume und verbinde mich innerlich mit dem geistigen Wesen der Pflanzen und der Erde. Täglich eine Stunde im Wald zu sein, das habe ich mir irgendwann liebevoll selbst verordnet.

Gerne arbeite ich in meinem kleinen Garten. Dort komme ich immer wieder rasch zu psychischer und körperlicher Entspannung. Ganz besonders viel Freude bereiten mir die Farbenpracht der unterschiedlichen Pflanzen in meinem Garten und der Duft meiner Rosen.

 

Abschließend ein Gedicht aus dem Buch “Die Wildnis in dir” von Tala Mohajeri, das ich gerade lese und das mich sehr berührt.

 

Ich habe mein Ohr an das Herz der Erde gelegt.

Sie hat mir von der Liebe zwischen sich und dem Regen erzählt.

Ich habe mein Ohr an das Herz des Wassers gelegt.

Es hat mir von der Liebe zwischen sich und den Quellen erzählt.

Ich habe mein Ohr an das Herz des Baumes gelegt.

Er hat mir von der Liebe zwischen sich und seinen Blättern erzählt.

Als ich mein Ohr an das Herz der Liebe selbst gelegt habe,

hat sie mir von der Freiheit erzählt.                  ( Sherko Bekas )

 

Ja, ich lebe und ich liebe mein Leben, so wie es jetzt ist!

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